Lügendetektion, Bewerber und Mitarbeiter-Check
(Detektiv-Kurier 01/2001)
Von Raimund H. Drommel
Institut für Angewandte Kommunikationswissenschaften
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Kalibrieren
In der Messtechnik bedeutet Kalibrieren eichen oder justieren.
Dabei wird der Zusammenhang zwischen Anzeige oder Einstellung
eines Messgerätes und einer Messgröße kontrolliert. Im NLP
hingegen wird Kalibrieren auf die menschliche Wahrnehmung
bezogen. Diese ist auf bestimmte Aspekte der Realität einzustellen,
um sie konzentriert zu beobachten, genau zu verfolgen und
später wiederzuerkennen. Das Kalibrieren der Wahrnehmung
kann auf allen Sinneskanälen geschehen. Beim Kalibrieren
wird eine gezielte Referenzerfahrung geschaffen. Aktuelle
Eindrücke werden damit abgeglichen und eingeordnet.
Linguistisches Kalibrieren
Zunächst ist das Individual Communicative Profile (ICP)
der zu analysierenden Person zu ermitteln. Dies geschieht
bei hinreichender Datenmenge, d.h. wenn möglichst viele
Texte (Aussagen, Interview-Antworten, spontane Redebeiträge
u.a.) dieser Person vorliegen, auch mit PC-Unterstützung
und unter Einsatz von Textvergleichsprogrammen, etwa Konkordanz-Paketen.
Lügenverdächtig ist z.B. eine von der Zielperson gewählte
Aussageform, die deutlich von der aufgrund ihres ICPs zu
erwartenden Form abweicht.
Auditives Kalibrieren

Wenn man sich auf auditive Wahrnehmungen kalibriert, dann
verfolgt man aufmerksam die Feinheiten bei der Veränderung
der Tonalität in der Stimme. Um z.B. Abweichungen in der
Tonlage einer Person zu erkennen, müssen sich die abhörenden
Experten zunächst einmal auf die individuelle mittlere Tonlage
dieser Person einstellen 10 .
10 Drommel u.a.; „Eine Methode
zur numerischen Erfassung der Suprasegmentalia“, Phonetica
27 (1973) S. 1–20.
Visuelles Kalibrieren
Durch visuelles Kalibrieren der Körpersprache prüfen NLP-geschulte
Beobachter Kongruenz („Echtheit“, „Stimmigkeit“) einer Äußerung.
Durch visuelles Kalibrieren wird versucht, etwa Lügen-Mimik
von Wahrheits-Mimik oder Lügen-Gestik von Wahrheits-Gestik
zu unterscheiden.
„Woran haben Sie gemerkt, dass er gelogen hat?“
„Weil er immer beim Lügen die Hand am Nacken hat
11 .“
NLP legt der sinnesspezifisch genauen Wahrnehmung deshalb
so große Bedeutung bei, weil diese Fähigkeit die Grundlage
des sogenannten Kalibrierens darstellt. Kalibrieren heißt
zu wissen, was der Gesprächspartner intern gerade tut (z.
B. welche Erfahrung er gerade erinnert) und dabei genau
zu beobachten, wie er dabei extern aussieht (welche Physiologie
er zeigt) und sich das zu merken. Wenn man als Berater einen
internen Prozess, zusammen mit seiner extern wahrnehmbaren
Physiologie gespeichert hat, so dass man sie wiedererkennen
kann, ist man darauf kalibriert, und kann mit großer Sicherheit
von der Physiologie auf den internen Prozess schließen.
Sinnesspezifisch genaue Wahrnehmung ist die Grundlage. Wiederholte
Wahrnehmung derselben Abfolge körpersprachlicher Signale
bei derselben Person in denselben situativen Zusammenhängen
erlaubt einem die Annahme, dass man auf einen bestimmten
Zustand des Gegenüber kalibriert ist.
Durch sorgfältiges Kalibrieren werden Irrtümer weitgehend
ausgeschlossen. Denn des Beharren auf sinnesspezifisch genauer
Wahrnehmung verschiedener Formen des individuellen Selbstausdrucks
hindert Sie daran, Zusammenhänge zwischen internen Vorgängen
und körpersprachlichem Selbstausdruck, die für andere oder
für Sie selber gelten, zu verallgemeinern und überall wiederzuentdecken.
Menschen sehen nämlich nicht gleich aus, wenn sie lustig
oder traurig, glücklich oder unglücklich, unruhig oder ruhig,
angespannt oder entspannt sind.
Generationen von Managern kennen die einschlägigen NLP-Übungen,
bei denen es darum geht, dem Partner die Antwort ja oder
nein oder aber einen inneren Zustand vom Gesicht abzulesen,
ohne dass er etwas sagt.
Natürlich gibt es „professionelle Lügner“, die sich auch
dem geschulten Kalibrierer nicht durch Mundwinkeloder Augenbrauenzucken,
nicht durch den Wechsel ihrer Gesichtsfarbe und auch nicht
durch ihren Augenausdruck o.ä. verraten. Das spricht aber
einerseits mitnichten dafür, auf diesen Zugriff von vorneherein
zu verzichten. Und andererseits gibt es ja noch die Lügendetektoren.
11 Visuelles Kalibrieren
in der RTL-TV-Serie „Alarm für Cobra 11“, 25. 11. 2000,
20.15 Uhr.
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