Kachelmann-Syndrom
Bonus-Kapitel zum Buch "Der Code des Bösen"
(exklusiv auf diesen Webseiten)
Die Rechtsanwälte
Mit meisten deutschen Rechtsanwälten habe ich vermutlich
schon zusammengearbeitet. So auch mit Reinhold Birkenstock,
einem Kölner Wirtschaftsjuristen mit bis zum Kachelmann-Prozess
eher geringer Medienerfahrung. Er rief mich erstmals im
Sommer 1988 wegen eines Sprachgutachtens an. Es ging um
den Fall Hans Werner Reisig. Als Eröffnung unseres
Telefongesprächs brachte er eine interessante Variante:
Herr Dr. Drommel, Sie wissen ja, dass alle Rechtsanwälte
lügen
(Pause)
Nun ja, wusste ich eigentlich in dieser Absolutheit nicht.
Aber, fuhr er fort, ich sag jetzt mal
ausnahmsweise die Wahrheit(
)
Lügen, bis der (Nerven-)Arzt kommt? Ironie des Schicksals:
21 Jahre später sollte das Thema Wahrheit bei Birkenstocks
vielleicht spektakulärstem Fall ebenfalls eine entscheidende
Rolle spielen. Ende November 2010 feuerte Kachelmann jedoch
seine bisherigen Verteidiger ein spektakulärer
Schritt, den Prozessbeobachter allerdings seit Längerem
erwarteten. Insbesondere Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock
wirkte von Anfang an deutlich zu defensiv und im Prozessverlauf
zunehmend überfordert. An seiner Stelle verpflichtete
der bedrängte Wetterfrosch den Strafverteidiger Johann
Schwenn einen ausgebufften Prominentenanwalt, der
bereits DDR-Chefspion Markus Wolf und den Doping-verdächtigen
Turbo-Radler Jan Ullrich vor Gericht vertreten hatte.
Strafverteidiger Schwenn feuert seither eine Breitseite
nach der anderen gegen die Staatsanwaltschaft, ihre Zeugen
und Gutachter ab. So erklärte er die Psychologieprofessorin
Luise Greuel für befangen und fachlich überfordert.
Überdies verkündete er, die gegen seinen Klienten
aufgebotenen Zeuginnen seien von den Medien gekauft. Auch
gegen die Burda-Presse (Bunte, Focus),
die für ihn offenbar wie ein medialer Puppenspieler
munter im Verfahren gegen Kachelmann mitmischt, richtete
Schwenn scharfe Attacken: Bei der Vernehmung der diversen
Ex-Geliebten des Ex-Moderators sei die Öffentlichkeit
nur deshalb ausgeschlossen worden, weil die aussagenden
Lausemädchen ein Bezeichnung, die
von Kachelamann stammen soll lukrative Exklusivverträge
mit dem Hause Burda abgeschlossen hätten.
Vorläufiger Höhepunkt der Schwennschen Winteroffensive:
Der Haudegen in Anwaltsrobe erklärte die Staatsanwälte
zu Tatverdächtigen. Die Anklagevertreter
seien um einiges verdächtiger als Herr Kachelmann,
da sie Ergebnisse ihrer Ermittlungen an die Presse weitergegeben
hätten. Das Gericht forderte er auf, die Handakten
der Staatsanwälte zu beschlagnahmen, um Aufschluss
über deren Telefonate mit möglichen Zeuginnen
zu erhalten. .
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